Musikcharts: Labels wollen KI-Songs aus den Charts fernhalten
Elf führende Musikfirmen – darunter Universal Music Group, Sony Music und Warner Music Group – fordern, dass vollständig KI-generierte Songs künftig nicht mehr in offiziellen Musikcharts erscheinen dürfen. Laut ihrer gemeinsamen Mitteilung sollen nur Titel gewertet werden, die substanziell von Menschen geschaffen wurden und deren KI-Einsatz klar erkennbar ist.
Sechs Kriterien für charttaugliche KI-Musik
Die Labels haben sechs Kriterien definiert, die eine KI-unterstützte Aufnahme erfüllen muss, um chartfähig zu bleiben. Zu den Kernanforderungen gehören: ein autorisierter KI-Dienst, ein sowie die Abwesenheit von Manipulationsverdacht bei Streams oder Chartplatzierungen. Zudem wird eine klare Kennzeichnung des KI-Einsatzes gefordert – eine Vorgabe, die die europäische KI-Verordnung ab August ohnehin vorschreibt.
Freiwillige Initiative – Chartbetreiber müssen entscheiden
Der Vorstoß ist bislang nicht verbindlich. Chartbetreiber wie GfK Entertainment in Deutschland haben sich noch nicht verpflichtet, die neuen Regeln umzusetzen. Auch internationale Branchenverbände wie IFPI und RIAA unterstützen ein Kennzeichnungssystem, das zwischen „AI-Generated“ und „AI-Assisted“ unterscheidet. Songs der ersten Kategorie wären nach den neuen Grundsätzen nicht mehr chartfähig.
Hintergrund: KI-Musikflut und Betrugsversuche
Die Forderungen der Labels stehen im Kontext einer massiven Zunahme KI-generierter Musik. Beim Streamingdienst Deezer stammen inzwischen mehr als die Hälfte aller neuen Uploads aus KI-Systemen – rund 90.000 Titel pro Tag. Dennoch machen diese Songs nur ein bis drei Prozent der Streams aus, da sie aus Empfehlungen ausgeschlossen werden. Bis zu 85 Prozent der KI-Streams stuft Deezer als betrügerisch ein, da sie häufig zur Manipulation von Tantiemen genutzt werden.
Erste Fälle in den Charts
Ein prominentes Beispiel ist der Song „I Run“ von Haven, der nach Beschwerden über unlizenzierte KI-Nutzung aus den Charts in Großbritannien und den USA entfernt wurde. Erst nach einer Neuaufnahme – diesmal ohne unautorisierten KI-Einsatz – wurde der Titel zum Hit.
Musikbranche fordert klare Regeln für die Zukunft
Die Musikindustrie steht an einem Wendepunkt. Während KI-Tools immer leistungsfähiger werden und massenhaft Songs generieren, wächst der Druck auf Labels und Chartbetreiber, die Integrität der Hitlisten zu schützen. Die vorgeschlagenen Kriterien sollen sicherstellen, dass Charts weiterhin menschliche Kreativität feiern – ohne den legitimen Einsatz von KI komplett auszuschließen.
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