Microsoft-Bericht: KI-Nutzung wächst, regionale Unterschiede bleiben groß
Microsoft schätzt die weltweite Nutzung generativer KI im Juni auf 18,8 Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter. Die Zahlen zeigen große regionale Unterschiede – und hängen von der Messmethode ab.
Mehr Nutzung, aber keine gleichmäßige Verteilung
Microsoft hat am 21. September eine neue Auswertung zur weltweiten Verbreitung generativer KI veröffentlicht. Für Juni 2026 nennt das Unternehmen einen geschätzten Nutzungsanteil von 18,8 Prozent unter den 15- bis 64-Jährigen. In fast allen untersuchten Volkswirtschaften sei die Nutzung gegenüber dem vorherigen Quartal gestiegen.
Für den Globalen Norden weist der Bericht 28,8 Prozent aus, für den Globalen Süden 16,2 Prozent. Nach Einschätzung von Microsoft hat sich der Abstand weiter vergrößert. Die Werte beschreiben eine Nutzungskennzahl, keine Bewertung der Fähigkeiten einzelner Länder.
Wie Microsoft die Verbreitung misst
Die Schätzung basiert auf aggregierten und anonymisierten Microsoft-Telemetriedaten. Das Unternehmen korrigiert sie unter anderem um Unterschiede bei Geräte- und Betriebssystemanteilen, Internetzugang und Bevölkerungsstruktur. Erfasst wird, ob Menschen im betrachteten Zeitraum ein generatives KI-Produkt genutzt haben.
Microsoft kündigt an, die erfassten Werkzeuge im nächsten Bericht zu erweitern. Dadurch könnten die ausgewiesenen Anteile in vielen Ländern steigen. Ein veränderter Messumfang wäre bei künftigen Vergleichen also zusätzlich zum tatsächlichen Nutzungswachstum zu berücksichtigen.
Nutzung ist noch kein Produktivitätsnachweis
Für die Einordnung ist entscheidend, welche Frage eine Kennzahl beantwortet. Wer einen KI-Dienst ausprobiert, arbeitet damit nicht zwangsläufig regelmäßig. Ebenso sagt die Nutzung allein wenig darüber aus, ob eine Aufgabe schneller, zuverlässiger oder mit höherer Qualität erledigt wurde.
Aus redaktioneller Sicht sollten Unternehmen deshalb ihre eigenen Ziele getrennt erfassen. Die Zahl aktiver Konten kann den Zugang zu einem Werkzeug beschreiben. Für den praktischen Nutzen wären dagegen beispielsweise bearbeitete Vorgänge, Korrekturaufwand oder die Zufriedenheit der beteiligten Teams relevant. Diese Größen sind nicht austauschbar.
Was regionale Vergleiche nützlich macht
Der Bericht kann einen Ausgangspunkt für Fragen nach Zugang und Teilhabe liefern. Er eignet sich weniger dazu, eine einzelne Organisation als fortschrittlich oder rückständig einzuordnen. Dafür unterscheiden sich Aufgaben, Rahmenbedingungen und vorhandene Systeme zu stark. Wer Trends über mehrere Berichte hinweg verfolgt, sollte besonders darauf achten, ob Definition und Datenbasis vergleichbar geblieben sind.

Kommentare